Unternehmensförderung: Verwirrend viele Fördertöpfe

INTAGUS gibt einen Überblick über die vielfältige Landschaft der Unternehmensförderung

Die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen haben sich in Deutschland trotz der Corona-Krise eher verbessert als verschlechtert.  Zudem wurde die staatliche Unternehmensförderung ausgeweitet. Inzwischen existiert sogar eine verwirrende Vielzahl von Fördertöpfen. INTAGUS gibt einen Überblick.

Die Unternehmensförderung bietet doch viele Fördertöpfe

Die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen haben sich in Deutschland trotz der Corona-Krise eher verbessert als verschlechtert. Prof. Dr. Holger Wassermann, Leiter des „KCE KompetetenzCenter für Entrepreneurship & Mittelstand“ sowie Geschäftsführer der INTAGUS GmbH, bemerkt: „In früheren Jahren beklagten wir eine Kreditklemme für den Mittelstand. Davon ist nichts mehr zu spüren. Auch die staatliche Unternehmensförderung wurde stark ausgeweitet.“

„Die ausstehenden Kredite für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben sich im ersten Jahr der Pandemie deutlich erhöht“, bestätigt auch die kürzlich veröffentlichte Untersuchung „OECD-Scorecard: Financing SMEs and Entrepreneurs 2022“, die 48 Mitgliedsländer der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) vergleicht. „Der Bestand an KMU-Krediten stieg um 4,9 Prozent. Das ist der höchste Zuwachs seit der Schaffung des OECD-Scoreboards vor zehn Jahren“, heißt es dort: „Die Krisenmaßnahmen – einschließlich der geldpolitischen Interventionen der Zentralbanken – haben die Zinsen zudem auf ein Rekordtief gedrückt: In den am Scoreboard beteiligten Ländern sanken die Medianzinsen für KMU 2020 um 0,4 Prozentpunkte – dies entspricht dem stärksten Rückgang seit 2009“. Und während in vielen anderen Ländern die öffentliche Förderung für den Mittelstand zurückging, wurde hierzulande die Unternehmensförderung von technik-orientierten Start-ups sogar deutlich ausgeweitet. Inzwischen gibt es eine verwirrende Vielzahl von Fördertöpfen.

Umfangreiche Unternehmensförderung für 'alles mit Technik'

Besonders bekannt sind die zum Jahresanfang 2022 vereinfachten ERP-Unternehmerkredite der KfW (mehr Informationen). Daneben ist die staatliche Förderbank KfW – neben anderen Finanzquellen – in vielfacher Weise in der Finanzierung mittelständischer Start-ups engagiert. So listet die OECD folgende öffentliche Förderprogramme auf:

  • KFW Capital mit einem Volumen von 400 Mio. €
  • ERP-Finanzierungsinstrumente in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Investmentfonds mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. Dazu gehören der ERP/EIF Venture Capital Fund, European Angels Fund Germany, ERP/EIF/Länder Mezzanine Fund of Funds und die GFF-EIF Growth Facility.
  • Der seit 2021 bestehende Zukunftsfonds der Bundesregierung mit 10 Mrd. €; er soll durch private und ERP-Co-Finanzierungen bis zu 30 Mrd. € für die Start-up-Finanzierung mobilisieren. In diesem Jahr sollen weitere Förderlinien hinzukommen.
  • Der High Tech Gründer Fonds (HTGF) hat seit 2011 drei Tranchen mit über 300 Mio. € aufgelegt; Eine weitere Tranche „HGTF IV“ ist noch in 2022 geplant.
  • Zudem wurde dem HGTF auch das Management des neu geschaffenen und mit 1 Mrd. € ausgestatteten Deep Tech Future Funds übertragen.
  • Das Programm KfW Venture Tech Growth Financing soll von aktuell von 500 Mio. € auf 1,3 Mrd. € aufgestockt werden.
  • Für private Investoren gibt es den „INVEST -Zuschuss für Wagnis-Capital“ seitens des Bundeswirtschaftsministeriums.
  • Zu den öffentlich Förderinstrumenten zählt die OECD zudem den VC-Fonds Coparion, mit 550 Mio. € zur Hälfte finanziert aus Mitteln des ERP Special Fund, KfW Capital und der EIB Europäische Investitionsbank; die andere Hälfte stammt von privaten Lead-Investoren.
  • Der Mikromazzaninefonds für soziale und nachhaltige Projekte, finanziert aus dem ESF Europäischen Sozialfonds und dem ERP Special Fund. Das Volumen dieses 2013 aufgelegte Fonds betrug jedoch nur 74,5Mio. €. Der „Nachfolger“ MMF II wurde mit 153, 2 Mio. € ausgestattet. Der Abstand zu den Fördermitteln für technische Projekte ist damit aber immer noch gravierend.

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Lücken bei Finanzierung und Unternehmensförderung für Non-Tech-Dienstleister und Sozialunternehmen

Ganz aktuell ist zu berichten, dass das BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung in Person der Unternehmerin Zahra Bruhn eine „Beauftragte der Bundesregierung für soziale Innovationen“ ernannt hat. Sie will darauf hinwirken, dass auch „Sozialunternehmen“ künftig in die öffentlichen Förderprogramme eingeschlossen werden. Nach Meinung von INTAGUS-Volkswirt Leander Hollweg haben in Deutschland generell Dienstleistungsunternehmen, die keinen technologischen Fokus haben, ihre Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanz- und Fördermitteln. Dies sei besonders problematisch, weil Beschäftigungszuwächse inzwischen weit überwiegend nur noch im Dienstleistungsbereich zu verzeichnen sind.

OECD-Scoreboard vergisst Unternehmensförderung durch Bürgschaftsbanken

Das OECD-Scoreboard weist im Übrigen trotz genannten Übersicht noch erhebliche Lücken auf: weder werden die zusätzlichen Förderinstrumente der einzelnen Bundesländer angeführt, noch werden die Angebote der in allen Bundesländern bestehenden Bürgschaftsbanken erwähnt. „Gerade die Mitwirkung der Bürgschaftsbanken ist aber für die erfolgreiche Umsetzung von Finanzierungskonzepten in KMUs der entscheidende Faktor. Dort findet in der Regel die sorgfältigste Risikoprüfung der unternehmerischen Investitionsprojekte statt. Wenn daher die Bürgschaftsbank grünes Licht für eine Risikoübernahme gibt, stehen auch bei der KfW und der Hausbank die Türen für weitere Finanzmittel offen“, weiß Prof. Dr. Holger Wassermann.

Auch wenn der offizielle Weg zur Beantragung öffentlicher Förderung zuerst über die Hausbank führt, sei es in der Praxis lohnend, zuerst die Meinung der regional zuständigen Bürgschaftsbank eingeholt zu haben. Bei kleineren Finanzierungsgesuchen sei zunehmend auch ein binäres Entscheidungsverhalten der Banken und Sparkassen zu beobachten: Sie finanzieren die Kreditwünsche von KMU entweder lieber ganz oder gar nicht. Die günstigen Finanzierungsbeiträge der Bürgschafts- und Förderbanken blieben damit zu oft ungenutzt.

Angesichts des niedrigen Zinsniveaus hat deren Bedeutung jedoch auch abgenommen. Im Gegenzug versuchen die Bürgschaftsbanken seit einiger Zeit, ihre Stellung im Finanzierungsprozess für KMU durch neue Serviceangebote wieder zu stärken. So leitet beispielsweise die Bürgschaftsbank Berlin ihr angetragene Projekte an eine Kreditvermittlungsplattform weiter. Mittelständler werden damit an den für sie günstigsten privaten Kreditgeber verwiesen. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Höhe des Finanzierungsanteils, für den der private Kreditanbieter bereit ist, das Ausfallrisiko selber zu tragen. Die Anforderungen an den Eigenmittelanteil von mittelständischen Kreditnehmern oder die von ihnen zu stellenden Kreditsicherheiten scheinen nach Beobachtung von INTAGUS mit dem Auslaufen der speziellen Corona-Förderung zugenommen zu haben.

Unternehmenserwerb erfordert Finanzkonzepte mit Unternehmensförderung

Maßgeschneiderten Finanzierungskonzepten unter Einbeziehung aller Möglichkeiten kommt somit eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Das gilt besonders dann, wenn das Investitionsvorhaben den Erwerb eines ganzen Unternehmens betrifft. Dann müssen die eigenen Finanzierungsspielräume eines Entrepreneurs mit der gegebenen Finanzierungsstruktur des Kaufobjekts und dessen realistisch bemessenem Unternehmenswert abgeglichen werden. Wer mehr darüber wissen möchte, kann an der im Monatsturnus stattfindenden Präsenzveranstaltung „Nachfolge-Akademie Berlin“ in den Räumen der Berliner Bürgschaftsbank teilnehmen: zur Veranstaltung anmelden, oder auch einen kostenfreien telefonischen Beratungstermin mit einem der INTAGUS-Geschäftsführer vereinbaren: Beratungstermin buchen.

Hinweis: Diese Informationen enthalten keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung und können eine solche auch nicht ersetzen. Falls Sie weitergehende rechtliche oder steuerrechtliche Beratung benötigen, empfehlen wir auf Wunsch gern geeignete Ansprechpartner.

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Autor
Leiter Unternehmenskommunikation und Volkswirtschaft | INTAGUS GmbH
Diplom-Volkswirt Leander L. Hollweg ist in der INTAGUS GmbH für die Unternehmenskommunikation und die volkswirtschaftliche Marktbeobachtung zuständig. Durch seine langjährige Expertise als Wirtschaftsjournalist hat er ein praxisnahes Verständnis für die verschiedensten Branchen. Er verantwortete zudem die Unternehmenskommunikation großer Finanzunternehmen und hat auch selbst Unternehmen gegründet und geleitet. Als aktives Mitglied im Wirtschaftsrat Deutschland und in mehreren „Think Tanks“ berät er politische und wirtschaftliche Entscheider, aktuell etwa im Rahmen des renommieren CEPS Center for European Policy Studies, zur Ausgestaltung des europäischen „Green Deals“. Da die interne und externe Kommunikation bei Unternehmensnachfolgen eine entscheidende Rolle spielt, ergänzt die Kompetenz von Leander Hollweg das Beratungsprofil der INTAGUS GmbH in einem zunehmend wichtigeren Bereich.
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