Die Herausforderung Unternehmensnachfolge: einfach Loslassen

Herausforderung Unternehmensnachfolge: Loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten

– und dennoch ist es schwerer.

Jedem Unternehmer ist bewusst, dass er sein Unternehmen nicht ewig weiter führen kann. Umso überraschender ist es, dass kaum ein Firmeninhaber auf die anstehende Nachfolge vorbereitet ist. Während kleinste Projekte innerhalb des Betriebs bis ins Detail geplant werden, wird die Herausforderung Unternehmensnachfolge vor sich her geschoben. So konnten sich 37% der Inhaber im Jahr 2016 laut einer Studie des DIHK emotional nicht von Ihrem Betrieb trennen. Warum eigentlich?

Psychologisch betrachtet gibt es dafür eine ganz einfache und einleuchtende Erklärung: Niemand beschäftigt sich gerne mit seiner eigenen Endlichkeit. Auch wenn Altern, Krankheiten oder unvorhergesehene Unfälle zum Leben gewissermaßen dazu gehören, bleiben sie dennoch Tabuthemen.

Als Selbstständiger haben Sie nicht nur ein Unternehmen gegründet, es aufgebaut und geführt, sondern auch Ihr persönliches Lebenswerk geschaffen. Und wer sollte dieses schon besser kennen können als Sie selbst? Eben diese und ähnliche Einstellungen erschweren die Nachfolgebereitschaft erheblich. Schon vor der eigentlichen Nachfolgersuche blockiert der Altunternehmer alle nächsten Schritte. Potenzielle Übernehmer werden vorschnell als ungenügend abgestempelt und in späteren Verhandlungen lässt sich dann doch immer noch ein Haken finden.

Bitte für die Zukunft merken:

Ein Nachfolger ist nicht fehlerfrei und vor allem wird er nie das genaue Abbild des Altunternehmers treffen. Er bringt Veränderung und Veränderung ist ziemlich oft ziemlich gut. Und wie schon bemerkt, SIE kennen Ihr Unternehmen und sind damit in der Lage, dem Neuen jenes Wissen nahe zu bringen. Wenn es erwünscht wird (und das wird es meistens) kann der Altunternehmer nach der Übergabe weiterhin beratende Tätigkeiten übernehmen. Die Herausforderung Unternehmensnachfolge ist eben für beide Seiten ein Lernprozess, der, wie erwähnt, Herausforderungen mit sich bringt.

Insgesamt ist die Nachfolgeregelung in Deutschland ernüchternd. Laut Holger Wassermann sucht nicht mehr der Inhaber den Übernehmer aus, sondern der Nachfolger das Unternehmen. Immerhin 45% der Senioren fanden laut des DIHK 2016 keinen geeigneten Nachfolger. Womit können Sie also punkten? Mit Ihrem Unternehmen. Wer meint, in den letzten Jahren vor der Übertragung nicht mehr großartig investieren zu müssen, liegt weit daneben. Denn gerade diese Investitionen, von Schritten der Digitalisierung über Verbesserungen in der Personalführung, bis hin zur neuen Pflasterung für die Hofeinfahrt – sind Investitionen in das Unternehmen, somit in die Unternehmensübertragung und folglich Ihrer eigenen Zukunft. Bei der Gründung haben Sie viel riskiert, weshalb dieses Risiko nach jahrelanger erfolgreicher Führung erneut heraus fordern?

Die Herausforderung Unternehmensnachfolge an einem Beispiel erklärt

Stellen Sie sich einmal vor, bei Ihrem Unternehmen würde es sich um Ihr Auto handeln. Ein Gegenstand, in dem Sie schon viele Jahre verbracht haben und in welchen immer wieder jede Menge Geld geflossen ist. Die Delle hinten links löst Erinnerungen an längst vergangene Tage aus und Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, dieses Auto irgendwann nicht mehr zu fahren. Nun verändern sich die äußeren Umstände und der Jahresumbruch steht vor der Tür: Neue Reifen müssen her. Denn die alten fahren einfach nicht mehr so gut wie bisher, sie haben sich über die Jahre abgenutzt. Obwohl und gerade weil Sie Ihr Auto in einem Jahr verkaufen wollen, kaufen Sie also neue Reifen. Denn zwei Dinge liegen auf der Hand:

  1. Durch diese Investition der neuen Reifen, fährt Ihr Auto bis zum Verkauf problemlos weiter,
  2. Aufgrund der neuen und hochwertigen Reifen, können Sie beim Verkauf einen besseren Preis erzielen. Denn so muss sich der neue Besitzer um diese Investition nicht mehr bemühen.

Erkennen Sie die Parallelen?

Und nun versetzen Sie sich in den Käufer, die Übernahme und seine Herausforderung Unternehmensnachfolge: Sie möchten ein Auto erwerben und womöglich noch ein wenig nach Ihren Vorstellungen auffrischen. Nun müssen Sie feststellen, dass der Wert des Autos eventuell weniger hoch ist, als vom Verkäufer angepriesen. Der TÜV ist noch nicht erledigt und in zwei von vier Reifen steckt schon ein Nagel. Sie könnten sich um diese Dinge natürlich selbst bemühen, doch da Sie ohnehin schon Investitionen beabsichtigen, würde das noch mehr Ausgaben und weniger umgesetzt genutzte Zeit bedeuten. So möchten Sie doch eigentlich in ein fahrbereites Auto einsteigen. Nach den ersten Eindrücken ziehen Sie es also vor, sich woanders ein weiteres Verkaufsangebot anzusehen. Nach einigen Wochen stellen Sie zufällig fest, dass das ursprünglich zu erwerbende Auto noch immer bei seinem Halter vor der Tür steht. Aus der Sicht des Nachfolgers wird der Besitzer wohl deutliche Abstriche machen müssen.

Natürlich können Sie jetzt sagen, ein Unternehmensverkauf ist viel komplexer als ein simpler Autoverkauf und Sie haben Recht damit. Hier geht es lediglich darum, metaphorisch aufzuzeigen, wieso Sparen an manchen Ecken einfach nicht zu empfehlen ist. Streichen Sie das; – weshalb Sparen bei notwendigen Investitionen absolut fatal wäre. Und weshalb die Nachfolgeplanung rechtzeitig anzugehen jedem zu spät trotzt.

Die Herausforderung Unternehmensnachfolge sollte aus zwei Blickwinkeln bewertet werden.
„Manches wird erst gut, wenn wir es gut sein lassen.“

Nun sind Ihnen wichtige Faktoren der Nachfolge zwar bekannt, dennoch haben Sie ein ungutes Bauchgefühl, wenn Sie an die Unternehmensübergabe Ihrer Firma denken. Aus diesem Grund leiten Sie die ersten Schritte nur sehr zaghaft bis gar nicht ein. Wenn es um das Thema Unternehmensnachfolge geht, sind Ihre eigenen Gedanken über die Zukunft die wichtigsten. Für viele Unternehmer ist es schwer, nach einem Leben voller Arbeit in eine ungewisse, gar „untätige“ Zukunft blicken zu müssen. Gerade deswegen vernachlässigen Sie Ihre weitere Planung nicht! Überlegen Sie sich, was Sie mit der neu gewonnenen Zeit nach der Übergabe anfangen könnten. Meistens ist irgendein Part in der Auslastung des Unternehmer-Daseins untergegangen. Sei es die Familie, der Fernsehabend oder ein ganz bestimmtes Hobby. Die Selbstständigkeit frisst Zeit. Diese Tatsache ist so gut wie jedem Unternehmer bewusst, doch wenn die gewohnte Belastung plötzlich wegfällt, sollte bereits vorher ein „Ersatz“ gefunden werden. Viele Firmeninhaber widmen sich dann Dingen, für die sie jahrelang keinen Kopf hatten. Vom Briefmarken Sammeln, über eine Tierschutzorganisation unterstützen bis zu weit entfernten Reisen – überlegen Sie mal, für was fehlt Ihnen momentan die Zeit?

Insgesamt gilt es zu verstehen, dass ein Ende auch immer einen Neuanfang mit sich bringt. Falls Sie diesen bestmöglich vorbereiten, kann sich Ihre Zukunft deutlich klarer heraus kristallisieren als Sie bislang vermuten.

Falls Sie dennoch Fragen haben oder den richtigen Überblick gewinnen möchten, wenden Sie sich gerne an uns. Wir beraten Sie von Anfang an bei Ihren Vorbereitungen.

Die Moral hinter diesem Artikel

Um die Unabdingbarkeit des Loslassens abschließend zu verdeutlichen, soll ein Auszug von Robert Pirsig als weiterer Denkanstoß dienen:

„[…] aber ich kann mir kein anschaulicheres Beispiel für Wertstarrheit denken als die alte südindische Affenfalle, deren Funktionsprinzip die Wertstarrheit ist. Die Falle besteht aus einer ausgehöhlten Kokosnuß, die an einen Pfahl angebunden ist. In die Kokosnuß kommt eine Handvoll Reis, nach dem der Affe durch ein kleines Loch greifen kann. Das Loch ist groß genug, daß er die Hand hineinstecken kann, aber zu klein, um die Faust mit dem Reis wieder herauszuziehen. Der Affe greift hinein und ist auf einmal in der Falle gefangen – aber nur wegen seiner Wertstarrheit. Er ist außerstande, den Reis neu zu bewerten. Er vermag nicht zu erkennen, daß Freiheit ohne Reis mehr wert ist als Gefangenschaft mit Reis. Die Dorfbewohner kommen, um ihn zu packen und fortzuschleppen. Sie kommen näher. . . immer näher. . . jetzt! Welchen allgemeinen Rat – keinen spezifischen, sondern welchen allgemeinen Rat würden Sie dem bedauernswerten Affen in dieser Zwangslage geben?“

Wie würden Sie die beschriebene Situation mit der Herausforderung Unternehmensnachfolge in Verbindung setzen?

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Autor
Marketing-Assistentin, Onlineredakteurin | INTAGUS GmbH
Tanja Spuhl betreut uns als Teamassistenz bei Ihrem Nachfolgeprojekt und ist für den Bereich Online Marketing zuständig. Derzeit studiert sie an der Freien Universität Berlin Deutsche Philologie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften.

INTAGUS ist auf Unternehmenstransaktionen im Mittelstand spezialisiert. Wir begleiten unsere Mandanten bei der strukturierten Planung und Durchführung von Unternehmenskäufen oder -verkäufen. Dabei suchen wir gezielt nach potentiellen Käufern oder Nachfolgern für einen erfolgreichen Unternehmensverkauf, unterstützen mittelständische Unternehmen aber ebenso bei der Übernahme anderer Unternehmen, falls ein Unternehmenswachstum durch Zukauf gewünscht ist. Falls Sie Fragen haben, rufen Sie gern, wir freuen uns über Ihren Anruf. Tel.: 030 208 98 75 0

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Marketing-Assistentin, Onlineredakteurin | INTAGUS GmbH
Tanja Spuhl betreut uns als Teamassistenz bei Ihrem Nachfolgeprojekt und ist für den Bereich Online Marketing zuständig. Derzeit studiert sie an der Freien Universität Berlin Deutsche Philologie, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften.

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